Energiesparen in der Bim

ULF (Ultra Low Floor)
© Wiener Linien

Die Fahrgäste der Straßenbahnen möchten auf Komfort nicht mehr verzichten. Laut den Wiener Linien wünschen sie sich gut gekühlte Garnituren und modernste Technik. Damit dieser Komfort auch erreicht werden kann, muss für Heizung und Kühlung immer mehr Energie aufgewendet werden. Gut ein Drittel des gesamten Energiebedarfs fließt in Heizung, Kühlung und Lüftung. Der Mensch stellt dabei den größten Energielieferanten dar.

Tests im ULF

Im März 2010 wurde das Projekt EcoTram ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Niederflur-Straßenbahnen des Typs ULF (Ultra Low Floor) bei gleichbleibendem Komfort energieeffizienter zu machen. Aus diesem Grund haben sich die Wiener Linien, Siemens, Vossloh Kiepe, Rail Tec Arsenal und die SCHIG mbH zu einem Konsortium unter Führung der TU Wien zusammengefunden. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) fördert EcoTram aus Mitteln des Klima- und Energiefonds im Rahmen des Programms "Neue Energien 2020".

Innerhalb des Projektes wird mittels eines Simulationsmodells versucht, Verbesserungspotenziale aufzuspüren. Dazu werden Mess- und Betriebsdaten der Straßenbahn herangezogen.

EcoTram mit dem VCÖ-Mobilitätspreis ausgezeichnet

Das Forschungsprojekt EcoTram gewann den zweiten Platz in der Kategorie "Öffentlicher Verkehr" beim VCÖ-Mobilitätspreis 2010. Die Verleihung stand unter dem Motto "energy.change.mobility".Bei Österreichs größtem Wettbewerb für nachhaltige Mobilität und effizienten Transport waren Projekte gesucht, die den Energieverbrauch im Verkehr verringern. "Komfortsteigerung gepaart mit Energieeinsparung bedeutet eine Ersparnis an Betriebskosten, die der Umwelt, dem Fahrgast, der öffentlichen Hand und dem Verkehrsunternehmen zu Gute kommt. Damit leistet die EcoTram einen wichtigen Beitrag zu einer umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Form der urbanen Mobilität", gratuliert VCÖ-Geschäftsführer Dr. Willi Nowak zur Auszeichnung beim VCÖ-Mobilitätspreis, Österreichs größtem Wettbewerb für nachhaltige Mobilität.

Minus 600.000 Kilogramm CO2

Pro Jahr und Fahrzeug verbraucht ein ULF 100.000 kWh. Für eine Flotte von 300 Straßenbahnen liege das Einsparungspotenzial bei 3,0 Millionen kWh, glauben die ExpertInnen. Rechnet man diesen Wert auf durchschnittliche Haushalte um, so könnte damit eine Ortschaft mit zirka 3.000 EinwohnerInnen ein ganzes Jahr mit Energie versorgt werden. Auf CO2-Emissionen hochgerechnet, könnte man so 600.000 kg CO2 im Jahr vermeiden.

Für neue Projekte gilt es, den Mehrwert in die Praxis zu übertragen und den Technologiesprung standardmäßig zu etablieren. Dadurch könnten die Entwicklungs- und Anschaffungskosten gesenkt und die neue energieeffiziente Technologie europaweit forciert werden.

Dauer und Umfang des Forschungsprojektes

Das Projekt läuft eineinhalb Jahre und ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Der technische Start war im März 2010 und geplantes Ende wird September 2011 sein. Die Kosten von EcoTram betragen in etwa 900.000 Euro. Davon wurden 600.000 Euro an Fördermittel beantragt.

Neben den theoretischen Untersuchungen der Optimierungspotenziale am ULF wird das Projekt von statischen und dynamischen Messreihen begleitet. Start des Projekts war ein ausführliches Testprogramm im Klima-Wind-Kanal der Rail Tec Arsenal. Die ULF-Niederflurstraßenbahn wurde unterschiedlichen Wetterbedingungen ausgesetzt. Nun ist die Straßenbahn im Echtbetrieb im Netz der Wiener Linien auf der Linie 62 unterwegs. Mit Hilfe spezieller Sensoren wird der Energieverbrauch, abhängig von Wetter und Besetzung, genau festgehalten. Mit den Daten soll ein Simulationsmodell erstellt werden, das es möglich macht, einzelne Optimierungsschritte auf Aufwand und Wirtschaftlichkeit zu testen. Im nächsten Schritt sollen die wirtschaftlich und technisch effektivsten Energiesparmaßnahmen am ULF umgesetzt werden. In einem weiteren Messdurchgang im Klima-Wind-Kanal und im Passagierbetrieb werden die Maßnahmen evaluiert.

Probebetrieb im Wiener Stadtverkehr

Im Probebetrieb wird erfasst, wie sich die unterschiedliche Anzahl an Fahrgästen auf die Energiebilanz auswirkt. Die Daten werden über einen längeren Zeitraum unter realen Umweltbedingungen erhoben und mit den Messwerten aus dem Klima-Wind-Kanal verglichen. Gleichzeitig wird ein umfangreiches Situationsmodell für das thermische Verhalten des Fahrzeugs erstellt, mit dem unterschiedliche Fallstudien möglich werden. Mit diesen Maßnahmen werden die Zusammenhänge zwischen Umgebungsbedingungen, Betriebsparametern, Fahrzeugbau und Klima bzw. Heizungsgeräten dargestellt und quantitativ bewertet.

Die Forschungsergebnisse sollen zeigen, ob und welche Umrüstungen am ULF nötig sind, damit es zu einer wesentlichen Einsparung des Energieverbrauchs bei Heizung, Klimatisierung und Lüftung kommen kann. Wichitg ist den Partnern, dass der hohe Fahrgastkomfort beibehalten bleibt. Sie sehen das Projekt EcoTram als wichtigen Beitrag für den Klimaschutz, der sich zugleich positiv auf den Wirtschaftstandort Wien auswirke.

Quelle: Siemens AG Österreich, Wiener Linien