Mit weniger Energie mehr bewegen

Infrastrukturministerin Doris Bures und Brigitte Bach, Leiterin des Energy Departements des Austrian Institute of Technology (AIT)
© AIT (Austrian Institute of Technology)

"Die größte ungenützte Ressource für die Energieversorgung liegt im Energiesparen", sagt Verkehrsministerin Doris Bures bei einer Pressekonferenz. Die ergiebigste Energiequelle sei Energieeffizienz. Sie warte nur darauf wartet, angezapft zu werden.

Laut Berechnungen der Technischen Universität Wien können bereits 2020 rund 25 Prozent der Energie durch Effizienzsteigerung gespart werden. Das Einsparungspotenzial entspricht dem Dreifachen der Energie, die sämtliche kalorischen Kraftwerke (produzieren neben Strom auch Wärme) in Österreich erzeugen oder dem Sechsfachen eines Atomkraftwerks des Typs Temelin.

Forschungsschwerpunkt Umwelt und Energie

"Wichtig ist, das Wirtschaftswachstum von Energieverbrauch und Kohlendioxyd-Ausstoß zu entkoppeln", so Bures. Klimafreundliches Wirtschaftswachstum sei möglich. Demzufolge wurden die öffentlichen Mittel für die Energieforschung seit 2007 beinahe verdreifacht. Von 32 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 87 Millionen Euro 2009. Zirka 55 Millionen Euro stammen von Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und Klimafonds.

Die zentralen Energieforschungsthemen in den Förderprogrammen des BMVIT sind Elektro-Mobilität, Smart Grids, Endverbrauchertechnologien, Gebäudetechnologien (Haus der Zukunft), energieeffiziente Produktionstechnologien und erneuerbare Energien.

"Forschung, Entwicklung und Innovation machen alle Lebensbereiche, Wirtschaft, Wohnen und Verkehr umweltfreundlicher", resümiert die Verkehrsministerin. Bures: "Darin stecken enorme Chancen für die heimischen Unternehmen, für Wertschöpfung und neue Jobs in Österreich. Kaum ein anderer Bereich der Wirtschaft wird in den nächsten Jahren solche Wachstumsraten haben wie der Energiesparsektor."

Beispiele zum Thema Mobilität und Wohnen

Beim Autofahren mit einem normalen Benzinverbrennungsmotor werden nur zirka 18 bis 25 Prozent der eingesetzten Energie in Bewegung gesetzt. Im Gegensatz dazu setzt ein Elektro-Auto bis zu 70 Prozent der Energie um. Elektrische Motoren nutzen die Energie demzufolge dreimal so effizient wie konventionelle Motoren.

Österreichs Forschung und Unternehmen sind führend im Bereich der modernsten Gebäudetechnologien wie Passivenergiehäuser oder Nullenergie- und Plusenergiehäuser. Kein anderes Land der Europäischen Union hat eine so hohe Dichte an Passivhäusern. Mit insgesamt 3,2 Millionen Quadratmeter Nutzfläche im Passivhausstandard ist Österreich absoluter Spitzenreiter in Europa. Zum Vergleich: Europaweit beträgt die Gesamtnutzfläche im Passivhausstandard sieben Millionen Quadratmeter. Diese Ergebnisse sind der Verdienst intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Österreich und insbesondere der jahrelangen Arbeit des BMVIT.

Langfristige Förderstrategie für den Weg an die Spitze

Die Ziele des Förderprogramms "Neue Energien 2020" des Klima- und Energiefonds sind die Erforschung effizienter Energietechnologien und die Schaffung einer leistbaren, nachhaltigen und sicheren Energieversorgung. 35 Millionen Euro stehen dieses Jahr für die bis 8. September 2010 laufende Ausschreibung zur Verfügung. Die Ausschreibung ist bereits die vierte in Folge und sie orientiert sich an drei Säulen:

  • Intelligente Energiesysteme und Netze
  • Energieeffizienz
  • Erneuerbare Energien

"Die ersten drei Ausschreibungen haben erfolgreiche Projekte hervor gebracht, in Summe mehr als 400. Unsere Förderungsstrategie setzt daher klar auf Kontinuität: Nur wer langfristig denkt, wird in der Energieforschung einen Spitzenplatz einnehmen können, Österreich ist da gut aufgestellt und soll es auch bleiben", betont DI Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds.

"Unser genereller Schwerpunkt Bildung, Ausbildung, Bewusstseinsbildung, den wir 2011 als Querschnitt über alle Programme legen werden, wird auch im Forschungsprogramm Neue Energien 2020 umgesetzt", gibt Vogel einen Ausblick auf das kommende Jahr. Auch der Anschluss an die europäischen Aktivitäten solle etwas mehr ins Zentrum der Ausschreibung rücken.

Umweltfreundliche Energieversorgung

Das Austrian Institute of Technology (AIT) forscht unter anderem nach innovativen Energielösungen, um die Risiken seiner ForschungspartnerInnen aus Industrie und Wirtschaft bei der Einführung neuer Technologien zu minimieren und den Entwicklungszeitraum bis zur Marktreife zu verkürzen.

Mit 104 MirarbeiterInnen verfolgt das Energy Department des AIT einen ganzheitlichen Ansatz, um die umweltfreundliche Stromversorgung, Heizung und Klimatisierung der Gebäude und Städte von morgen zu gewährleisten. Mit Hilfe hochqualitativer Messtechnik und innovativer Simulationstools verknüpfen interdisziplinäre Forschungsteams dezentrale Erzeuger, effiziente Verteilungsnetze und intelligente Gebäude mit wirkungsvollen Heiz- und Kühltechnologien zu einem nachhaltigen Energiesystem. Oberstes Ziel des Energy Department ist es, den Innovationsprozess im Energiesektor durch gezielte Forschung und Entwicklung voranzutreiben und so das Energiesystem der Zukunft aktiv mit zu gestalten.

Die zukünftige Energielandschaft wird vor allem durch eine Vielzahl dezentraler Erzeugungsanlagen geprägt sein. Die schwankende Stromproduktion von Photovoltaik- und Windkraftanlagen stellt die Netze vor völlig neue Herausforderungen.

Im elektrischen Stromnetz ist es notwendig, Energieerzeugung und Energieverbrauch zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht zu halten. Zur stochastischen Einspeisung kommt noch die starke Entwicklung im Sektor Elektro-Mobilität: Derzeit wird daran geforscht, Elektrofahrzeuge künftig als fahrende Energiespeicher zu nutzen. Diese sollen den Strom je nach Bedarf ins Netz einspeisen beziehungsweise aus dem Netz beziehen können.

Diese neue Vielfalt an Erzeugern, Verbrauchern und Speichern erfordert Smart Grids. Dies ist eine neue Generation intelligenter Netze, die durch Kommunikation zwischen den einzelnen Netzknoten einen effizienten Systembetrieb sicherstellen.

SimTech Labor – Vorsprung durch Forschung

Das Energy Department des AIT realisiert derzeit einen Forschungsschwerpunkt zur wissenschaftlichen Begleitung der technischen Einbindung dezentraler, erneuerbarer Energieträger und verteilter Energiespeichersysteme in aktive elektrische Verteilnetze mittels Power Hardware-in-the-Loop (P-HIL) Simulationen.

"Die Expertinnen und Experten des AIT wenden dafür Echtzeitsimulationen an, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Netz und Komponenten zu analysieren. Durch die Verknüpfung von virtueller und realer Welt lassen sich so im SimTech Labor verschiedene Regelungskonzepte und Komponenten für Smart Grids entwickeln, testen und optimieren", erklärt DI Dr. Brigitte Bach, Leiterin des AIT Energy Department.

Um das Vorhaben zu realisieren, starteten BMVIT, Klima- und Energiefonds und AIT eine gemeinsame Initiative. Diese besteht aus dem Investitionsprojekt "SimTech Laborinfrastruktur" und dem DG-EV-HIL Forschungsprojekt. 3,5 Millionen Euro wurden aus AIT Eigenmitteln finanziert, vier Millionen vom Klima- und Energiefonds. Dieses Forschungsprojekt beinhaltet die grundlegenden Methoden zur Anwendung von P-HIL Verfahren auf Smart Grid. Damit entsteht im Energy Department eine einzigartige Forschungsinfrastruktur, mit welcher binnen kürzester Zeit kritische Massen erreicht werden können.

Mit dem vorliegenden Forschungs- und Investmentprogramm positioniert sich Österreich mit dem AIT Energy Department europaweit als einzigartiger Forschungsknoten für die Industrie. Damit wird eine federführende Einbindung in internationale Forschungsprojekte im Bereich Smart Grids möglich. Durch den Beitritt des AIT zur "European Energy Research Alliance" (EERA) ist dafür eine optimale Basis geschaffen worden.

Quelle: BMVIT