Galileo: Technologie aus Österreich
Am Freitag, den 21. Oktober 2011, starteten um 12:30 MEZ die ersten beiden Galileo-Satelliten vom europäischen Weltraumhafen in Kourou, Französisch-Guayana. Mit einer russischen Trägerrakete vom Typ Sojus werden die beiden Galileo-Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht. Galileo soll im Vollausbau über bis zu 30 Satelliten verfügen, die in einer Höhe von rund 23.200 Kilometer die unabhängige Verfügbarkeit von Satellitennavigationsdiensten für Europa gewährleisten. Während die Nutzung von GPS bereits weit verbreitet ist und kürzlich auch Russland sein Satellitennavigationssystem GLONASS erneuert hat, ist die Europäische Union bislang von militärischen Satellitennavigationssystemen abhängig, die nicht ihrer Kontrolle unterliegen. Mit Galileo will man diese Abhängigkeit aufheben. Es soll ein ziviles System unter der Kontrolle der Europäischen Union werden.
Den Anfang machten 2005 bzw. 2008 die beiden Galileo-Testsatelliten GIOVE-A und GIOVE-B, die bereits über ihre nominelle Laufzeit hinaus erfolgreich im Einsatz waren. Im Frühjahr 2011 ging auch das satellitenbasierte Augmentierungssystem EGNOS offiziell in den Vollbetrieb über. EGNOS liefert seither als Vorläufer von Galileo Verbesserungsdaten für das amerikanische GPS-System und soll später auch Galileo augmentieren. Der Start der nächsten vollwertigen Galileo-Satelliten ist für 2012 geplant. Bis 2014/15 sollen insgesamt 18 Satelliten eine vorläufige Betriebsfähigkeit mit noch reduzierter Leistungsfähigkeit gewährleisten. Dann sollen insbesondere der allgemein zugängliche "Offene Dienst" sowie der "Öffentlich Regulierte Dienst" durch Galileo bereitgestellt werden. Der Vollausbau der Konstellation soll bis 2020 erreicht werden. Galileo soll dann vergleichbar oder besser arbeiten als das amerikanische GPS sowie mit diesem kompatibel sein. Durch die gemeinsame Nutzung der beiden Systeme sollen Genauigkeit und Verfügbarkeit von Positionierung und Navigation weiter verbessert werden.
Beteiligung österreichischer Unternehmen
Auch österreichische Firmen sind an der Entwicklung von Galileo beteiligt, so lieferte RUAG Österreich für die nun gestarteten Satelliten den Signalgenerator. Dieser ist eine Schlüsselkomponente der Satelliten-Nutzlast. Über den Signalgenerator hinausgehend liefert RUAG weiter die Thermalisolierung sowie Testausrüstung. Neben RUAG ist auch Siemens Österreich im Satellitensegment von Galileo vertreten. Das Unternehmen stellt Testsysteme für die Satelliten zur Verfügung.
Der Start der ersten Galileo-Satelliten fällt in eine ereignisreiche Phase der österreichischen Raumfahrt. So hat die Bundesregierung kürzlich im Ministerrat das österreichische Weltraumgesetz verabschiedet, nicht zuletzt wegen des für 2012 geplanten Starts der ersten österreichischen Kleinsatelliten "TUGSAT 1" und "UniBRITE". Im Jahr 2012 wird Österreich den Vorsitz des ITS Weltkongresses innehaben und in Wien veranstalten. Bei diesem Event werden auch Weltraumtechnologien wie Galileo und EGNOS von Anwenderseite beleuchtet werden.
Quelle: bmvit


