Nächster Halt: Wiener Kongress
Die zentralen Anforderungen an Intelligente Verkehrsservices sind, den Verkehr sicherer, effizienter und umweltverträglicher zu machen. Ein Jahr vor dem 19. ITS Weltkongress im Oktober 2012 in Wien arbeiten österreichische Unternehmen eifrig daran, diese Forderungen umzusetzen.
Während mehr als 18 Prozent der 2008 in der EU ausgestoßenen Treibhausgase vom Straßenverkehr stammen, entfallen auf die Bahn EU-weit nur rund 0,5 Prozent der CO2-Emissionen. Diese Zahlen machen eines deutlich: Die Verlagerung des Verkehrs von der Straße ist notwendig und möglich, weil die Kapazitäten alternativer Verkehrsträger noch lange nicht ausgereizt sind. Einen wichtigen Beitrag dazu können IT-gestützte Systeme zur Verkehrsinformation und -steuerung leisten. Verkehrstechnologien (oder Intelligente Verkehrsservices – ITS) erhöhen den Verkehrsfluss und sollen NutzerInnen möglichst individuell über das aktuelle Verkehrsgeschehen, alternative Routen und Verkehrsmittel informieren.
Personalisierte Verkehrsinformation ist eines der Schlüsselthemen der jährlich stattfindenden ITS Weltkongresse. Unter dem Namen ITS Vienna 2012 findet die 19. Ausgabe des Kongresses von 22. bis 26. Oktober 2012 in Wien statt. Gemäß dem Kongressmotto smarter on the way steht der Nutzen für private wie kommerzielle AnwenderInnen im Zentrum der Veranstaltung. Die rund tausend Fachvorträge widmen sich den drei Kernaufgaben der Branche: für Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit im Verkehr zu sorgen. Der Kongress fand erstmals 1994 in Paris statt und rotiert seither zwischen Europa, Asien und Amerika.
NutzerInnen im Fokus
Gastgeber BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) erwartet rund 3.000 Fachleute aus IT, Telekommunikation und Automation zur Konferenz und weitere 5.000 BesucherInnen in Wien. Auf der begleitenden Industrieausstellung zeigen 300 Firmen aus rund 65 Nationen ihre aktuellsten Entwicklungen aus Bereichen wie Fahrerassistenz, Verkehrsmanagement und Navigation. Standardisierungsprozesse auf transnationaler Ebene sind ebenfalls ein wichtiges Thema.
Das BMVIT hat in den vergangenen zehn Jahren rund 200 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung nachhaltiger Verkehrskonzepte, alternativer Antriebstechniken sowie Technologien für Straße, Wasserstraße und Schiene investiert. Mit diesen Maßnahmen konnten wesentliche Impulse für die Wirtschaft gesetzt werden. „Nach 15 Jahren der Forschung geht es nun darum, ITS in den realen Verkehr zu bringen – und zwar zum Nutzen der VerkehrsteilnehmerInnen und der Wirtschaft“, sagt Doris Bures, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie. Die dafür erforderlichen Technologien seien großteils vorhanden. „Österreich hat eine starke ITS-Industrie, mit Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitspielen“, so Bures.
Der 19. ITS-Weltkongress bietet der heimischen Wirtschaft und ITS-Community die Möglichkeit, ihre Vorreiterrolle im Bereich Verkehrstechnologien zu präsentieren. Die AustriaTech, ITS-Agentur des Bundes, koordiniert die nationalen Interessen und ist unter anderem für ein groß angelegtes Demonstrationsprogramm der neuesten technischen Entwicklungen zuständig. Bei Demonstrationsfahrten quer durch Wien können sich die TeilnehmerInnen von der Funktionalität der Applikationen und Services überzeugen. Sicherheitsrelevante Ereignisse und Prototypen werden auf einem Parkplatz des Veranstaltungsortes Messe Wien präsentiert.
Straße spricht mit Auto
Erstmals in Wien zeigen Technologie-Unternehmen und Infrastrukturbetreiber gemeinsam mit der Automobilbranche Kommunikationssysteme zwischen Fahrzeugen sowie zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur im realen Verkehr. Unter dem Projektnamen Testfeld Telematik richten Infrastrukturbetreiber Asfinag und die österreichische Industrie, allen voran Kapsch, Swarco, Efkon und Siemens, eine Teststrecke auf dem Autobahndreieck A4/A23/S1 ein. Auf dieser Teststrecke werden straßenseitige Kommunikationseinheiten aufgestellt, die mit der Verkehrssteuerungsanlage der Asfinag in Inzersdorf Daten austauschen. Die Palette der gezeigten Lösungen reicht von Kollisions- und Stauwarnungen, über Verkehrszeichen, die im Fahrzeug angezeigt werden, bis zu Warnsystemen an potenziell gefährlichen Stellen.
Rund 60 TestfahrerInnen sollen die Funktionalität dieser sogenannten kooperativen Systeme im realen Verkehr erproben. Weitere 1.000 AnwenderInnen werden die Dienste auf ihrem mobilen Endgerät testen, so der Plan der Projektpartner. Sie alle erhalten verkehrsbezogene Informationen wie Unfallwarnungen, situationsbezogene Geschwindigkeitsempfehlungen, Informationen zu Wetterlage, Baustellen oder Staus direkt ins Auto oder auf ihr Smartphone. Generiert werden diese Services in der Verkehrsleitzentrale.
Verkehrsinformation auf einer Datenbasis
Die Basis für diese vernetzten Services ist die sogenannte Graphenintegrationsplattform (GIP). Das Projekt GIP soll die verschiedenen Datenbanken und Geoinformationssysteme, mit denen Verkehrsinfrastruktur im öffentlichen Sektor verwaltet und erfasst wird, zusammenführen. GIP bezeichnet die Einheit aus Software, Daten und Regeln, die für den Betrieb und zur Aktualisierung des Verkehrsgraphen zusammenwirken.
Projektziel ist der Aufbau eines einheitlichen räumlichen Referenzsystems für die Verkehrsnetze in Österreich. Der digitale Verkehrsgraph soll alle Verkehrsträger einschließen, Verkehrsinformation und Verkehrsmanagement sollen so aktuell und zuverlässig und auf einer gemeinsamen Plattform betrieben werden. Sicherheitsrelevante Anwendungen, wie zum Beispiel Unfalldaten, greifen ebenfalls auf den aktuellen Graphen als Referenzbasis zurück. Die Infrastrukturbetreiber sorgen für die laufende Aktualisierung der Daten. In regelmäßigen Intervallen werden die verteilten Datenbestände abgeglichen und zu einem Österreich-Graphen zusammengeführt.
Dienste für den urbanen Bereich werden ebenfalls zur Verfügung stehen, etwa die Reservierung von Parkplätzen, Car Sharing-Modelle oder die Anknüpfung an den Öffentlichen Verkehr. Um Staus effizient zu vermeiden, wird in Zukunft auch das niederrangige Straßennetz, sprich Bundes-, Landes- und Ortsstaßen, eingebunden. Über offene Schnittstellen können Navigationssysteme kommerzieller Anbieter auf diese Informationen zugreifen und so verbessert werden. Im Unterschied zu den teilweise redundanten Applikationen, die heute verfügbar sind, sollen die Mobilitätsdienste der Zukunft auf eine gemeinsame Datenbasis zugreifen und „miteinander kommunizieren“.
Routenplaner für Österreich
Ein weiteres Projekt, das maßgeblich von der Asfinag verantwortet wird, ist die Verkehrsauskunft Österreich (VAO). Gefördert vom Klima- und Energiefonds werden die technischen und organisatorischen Grundlagen für ein multimodales Echtzeitauskunftssystem geschaffen, um damit insbesondere den Öffentlichen Verkehr (ÖV) zu forcieren. Mit 36 Prozent ÖV-Anteil am Gesamtverkehr steht insbesondere Wien im internationalen Vergleich gut da. Um die Klimaziele zu erreichen, bedarf es aber auch in Österreich noch größerer Anstrengungen. Ziel der VAO ist eine umfassende und einheitliche Verkehrsauskunft für ganz Österreich, die auch sogenannte multimodale Routen empfehlen kann, soll heißen, Individualverkehr und Öffentlichen Verkehr einbeziehen.
Auf Europaebene arbeiten Experten ebenfalls an multimodalen und einheitlichen Verkehrssystemen. Sechs europäische Städte stellen im Zuge des Projekts InTime Verkehrsdaten über eine einheitliche Schnittstelle zur Verfügung. Reisende erhalten einen verkehrsträgerübergreifenden Routenplaner für die Städte Brünn, Bukarest, Florenz, München, Oslo und Wien. Hauptziele des Projektes sind die Reduktion von Lärm und CO2-Emissionen sowie die Forcierung öffentlicher Verkehrsmittel.
Das Projekt ITSworks hat in einer Studie die Auswirkungen multimodaler Verkehrssysteme am Beispiel des Routenplaners AnachB.at untersucht, der für Wien, NÖ und Burgenland zur Verfügung steht. Im besten Fall, so das Studienergebnis, können die Pkw-Wege, die Pkw-Fahrleistung und die CO2-Emission durch den Pkw-Verkehr in der Region Wien durch den Einsatz Intelligenter Verkehrssysteme um sechs Prozent verringert werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Verkehrsdaten in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sind. Dass die Daten den VerkehrsteilnehmerInnen jederzeit zur Verfügung stehen und ihre Mobilitätsbedürfnisse erfüllen, ist Aufgabe der ITS-ExpertInnen.
ITS Vienna 2012-Team am Weltkongress in Orlando
Die Organisatoren der ITS Vienna 2012 werden von 16. bis 20. Oktober 2011 am 18. ITS Weltkongress in Orlando präsent sein. Mit dabei sind VertreterInnen des BMVIT, AIT – Austrian Institute of Technology, Alpe-Adria-Universität Klagenfurt, AMV Networks, Asfinag, AustriaTech, Efkon, FH Technikum, Fluidtime und ITS Vienna Region. Den Gemeinschaftsstand (Stand 1703) organisieren AustriaTech und Außenwirtschaft Österreich (AWO).
Das Österreich-Team lädt am Montag, den 17. Oktober, von 17:00 bis 18:30 zu einer „mautfreien“ Standparty. Am Mittwoch, den 19. Oktober, von 13.30 bis 15 Uhr, findet eine spezielle Vortragsreihe für Frauen in der ITS-Branche statt. „Women in ITS“ ist auch ein Schwerpunktthema auf dem Kongress in Wien und wird bereits im Vorfeld von zahlreichen Aktivitäten begleitet.
Rückfragen:
DI Dr. Reinhard Pfliegl, Chair of ITS Vienna 2012,
reinhard.pfliegl@austriatech.org
Mag. Rita Michlits, Communications Manager ITS Vienna 2012,
rita.michlits@austriatech.org
T +43 1 2633444-43, F +43 1 2633444-10, M +43 676 6150006


